Neben unserem fast schon Profi-Teamfahrer Alexander Hertel unterstützen wir natürlich auch „verrückte“ Hobbysportler, wie Thomas Schmidt. Thomas ist nicht nur bei regionalen und internationalen Mountainbike-Rennen aktiv, sondern fährt seit vergangenem Jahr auch Einrad. Und das nicht etwa auf der Straße und im flachen Gelände, sondern auch im Gelände und bergab. Von seiner Teilnahme bei einem Downhill-Rennen und dem Einrad-Marathon bei der Salzkammergut-Trophy berichtet er exklusiv für Little John Bikes…

Das Video, welches Thomas mit seiner Helmkamera aufgenommmen hat, vermittelt einen tollen Einblick, wie es ist, mit dem Einrad die Berge hinab zu fahren…

Thomas_Salzkammergut (2) (Kopie) Zur berühmt, berüchtigten Salzkammergut-Trophy gehören nicht nur die bekannten Strecken über 211 km oder 22 km. Seit neun Jahren werden auch Downhill-Wettkämpfe veranstaltet. Nicht mit dem Dirt-Bike oder Downhill-Bikes, sondern auf einem Einrad. Nicht das aus dem Zirkus. Dieses Rad hat breitere Felgen, Scheibenbremsen und Spezialkurbeln.

Auf diesem Einrad fahre ich nun seit fast zwei Jahren, und trainiere mit meinen beiden Sportfreunden das Auf und Ab am Neustädter Hausberg Unger, Tanzplan/Tanice oder dem Butterberg in Bischofswerda, um etwas Erfahrung und Geschick zu bekommen, auf einem Rad einen Berg herunter zufahren, der möglichst viele Wurzeln und Steine oder Geröll auf dem Weg hat. Das Interessante dabei ist, das Gleichgewicht zu halten, trotzdem schnell zu sein und die Bremse so zu dosieren, dass diese nicht zu sehr blockiert und man ungewollt stürzt.

Mit genügend „Lebensüberdruss“ wagte ich mich an die wohl schwierigste Downhillstrecke Europas für das Team Muni’s (Mountainbike-Unicycle) im Rahmen der Salzkammergut-Trophy in Bad Goisern am 10. Juli als einziger männlicher Sachse an den Start. Mit dabei war noch ein Mädchen aus Seiffen. Einen Tag vorher haben wir mit ihr und noch zwei weiteren Sportlern die Strecke abgefahren, um einigermaßen eine Vorstellung zu bekommen, was uns da überhaupt erwartet. Als Ergebnis dieses Nachmittags stand ich dann mit Anna allein, jeder in seiner Altersklasse, am Start.

Thomas_Salzkammergut (4) (Kopie)Die Strecke startete am Predigtstuhl auf 1.000 m Höhe und führt über 4,5 Km und 500 Höhenmetern hinunter zum Ziel.
Wir wurden mit Shuttle-Bussen an den Start gebracht. Es wurden einzelne Startgruppen gebildet, da immerhin 85 Starter gemeldet waren. Vom 6-jährigen, der „kaum über seinen Sattel schauen konnte“ bis zum 55-jährigen war alles dabei.

Als Erstes gingen die jeweiligen Elitefahrer an den Start. Für meine Altersklasse kam der Startschuss um 9:07 h. Ich habe mich gleich im Starterfeld von 13 Fahren hinten eingeordnet, da ich niemanden beim Start behindert wollte. Als alles losfuhr, kam ich auch gut vom Fleck und beim Überfahren der Zeitnahmematte fielen zwei Fahrer nach gegenseitigem Kontakt mir direkt vor die Füße, so dass ich beim Wiederaufsteigen dann doch wieder der Letzte war.

Die erste Kurve kam und es ging in den Wald hinein, auf ein flaches Stück Waldweg mit einigen kleinen Wurzeln und Steinen. Dabei konnte ich zwei Fahrer schon überholen. Das stärkte das Selbstvertrauen. Nach einer Linkskurve ging es einen kleinen Abhang hinunter, den ich ohne Probleme hinunter fuhr. Etwas weiter war dann eine etwas längere Furche, vor der ich dann abstieg und schob. Danach wieder aufsteigen und weiter. Etwas Waldweg ohne Probleme, dann die ersten glitschigen Steine und der Verstand sagte Absteigen. Danach wieder aufsteigen, klappt nicht ganz. Der Druck, dass hinter mir noch einige kommen, ist doch groß und so falle ich immer wieder vom Rad. Die Zeit rennt und ich fange dann doch an zu schieben. Irgendwann kommt der Skihang, den es auch noch nach unten geht. Drei oder vier Mal probiere ich bei dem Gefälle aufzusteigen, klappt nicht, also wieder schieben. Etwas weiter unten komme ich dann wieder auf das Rad und kann mit dosierter Bremse den Hang runterfahren. Mittlerer Weile kommen die nächsten Starter von hinten und ich warte mit dem Aufsteigen bis sie mich passiert haben.

Wir erreichen ein Gehöft und fahren kurzzeitig auf Asphalt bis zum nächsten Hof. Dort kann ich noch einen Fahrer aus meiner AK überholen und liege somit auf Platz 10. Es geht weiter in den Wald auf Waldpfaden, über zwei Holzbrücken (schiebe ich), einer aus einer jüngeren AK wird überholt, dann geht es wieder über eine Wiese an einem Hof vorbei über eine kleine Alm. Die hat es in sich, da wir die parallel zum Berg passieren müssen. Da klappt die Balance nicht ganz und ich falle mehrmals vom Rad. Zwei „Schikanen“ kommen danach; es liegen drei Bretter auf einer Pfütze. Das ausbalancieren darauf klappt nicht, wie am Vortag, egal die Zeit rennt. Aufsteigen und weiter. Mittlerer Weile hat mich Anna auch noch eingeholt und zieht an mir vorbei.

Jetzt kommt das schwierigste Stück des Trails, gespickt mit Wurzeln, Steinen, Stufen. Das schiebe ich gleich, da komme ich sowieso nicht weit. Ich mache noch ein paar Plätze gut und dann geht aus dem Wald heraus eine Wiese hinunter mit Treppen. Also Entscheidung rechts oder links an den Treppen vorbei. Rechts ist kein Zaunsfeld, also dieser Weg. Aber so richtig fehlt mir die Konzentration, da jede Menge Publikum und Anfeuerung um mich herum ist und so falle ich dann in der Hälfte der Wiese vom Rad.
Unten im Hof steige ich dann wieder auf, es geht auf Beton einen kleinen Berg noch runter und dann ist auch schon das Ziel erreicht.

Puuh, geschafft… Bei meinem ersten Downhill-Rennen habe ich zwar einiges schieben müssen, was fahrbar gewesen wäre, aber der Wettkampf- und Zeitdruck war doch zu groß. Egal, ich habe bei meinem ersten Start in meiner Altersklasse den 10. Platz von 13 Startern belegt. Sieger in meiner AK ist Paul Baumgartner aus Villander/Italien mit einer Zeit von 10:40min, 19:21min ist meine Zielzeit. Gesamtplazierung Männer ist  für mich Platz 42 von 52 Startern.


Salzkammergut-Trophy – Einrad-Marathon
Zum zweiten Mal stand ich am 9. Juli mit meinem Einrad am Start um den Marathon auf der kürzesten Strecke der Trophy zu fahren. Ca. 50 Sportler, davon sieben aus Sachsen, waren auch mit am Start.
Am Vormittag hatte es immer wieder Schauer gegeben, so dass es im Startbereich doch ganz schön schwül ist und es mächtig drückend ist, wenn die Sonne scheint.
Wie immer kurz vor dem Start pendelt sich der Ruhepuls bei 110 Schlägen ein. Pünktlich fünf Minuten nach dem Start der Mountainbiker auf dieser Strecke fällt für uns der Startschuss. Ohne Probleme starte ich und reihe mich so ca. im Mittelfeld ein. Mal werde ich überholt, mal überhole ich noch welche (die gerade gestürzt sind…).

Thomas_Salzkammergut (5) (Kopie)Der erste Anstieg und das Feld zieht sich dann doch auseinander. Nach ca. 3 km geht es einen kleinen Anstieg hoch und ich schiebe dieses Teilstück, bin aber auch nicht der Einzige, der das macht. Da kommt auch schon der erste Radler zurück und bricht das Rennen ab. Ich komme nun langsam in das Rennen und bin doch recht zügig mit dabei. Ab jetzt geht es nur noch auf breiten Waldwegen bergan. Ich habe zu den Einradfahren vor mir noch Blickkontakt und kann mich so an denen orientieren, wie gut oder schlecht die fahren. Ich überhole auch schon die ersten Mountainbiker, die ja quasi die letzten auf ihrer Runde sind.
Nach ca. 8 km kommt die erste und einzige Verpflegungsstelle auf unserer Strecke und die lasse ich diesmal aus. Es gibt ja auch keinen Grund anzuhalten.  Die gesamten Strecken der Trophy kommen nun mit auf unseren Weg und es ist ein ganz schöner Verkehr. Die Strecke wir nun richtig steil. Bisher waren nur 12% Steigung zu bewältigen, jetzt wird es ernst und es kommen Anstiege mit fast 26-28%. Mir tut langsam der Hintern weh, die Beine kribbeln, also erst einmal absteigen und schieben.

Von den Einradlern ist aktuell keiner mehr zu sehen, bis ich beim Schieben von einem Mädchen aus Villanders überholt werde. Irre, was die für eine Technik hat. Keine Waden zu erkennen (meine haben einen Umfang von 450 mm), Oberschenkel wie meine Unterarme und mit ihrem Federgewicht drückt sie im Stehen ihr Einrad diese Rampe hoch. Hm….
Also doch wieder aufsteigen und weiterfahren, ich will ja auch schließlich meine Zeit vom Vorjahr verbessern.  Nach zwei Kurven habe ich auch das Mädchen aus den Augen verloren und werde nun von den Einradlern mit Schaltung überholt, welche die 37 km Strecke fahren und das mit einem irren Speed. Gefühlt erstaunlich schnell ist nach 12 km der höchste Punkt mit 960 Höhenmetern erreicht und es geht jetzt nur noch bergab.
Seit Herbst habe ich auch eine Scheibenbremse am Rad, so dass ich bergab schneller treten kann und mit der Bremse die Geschwindigkeit dosieren kann. Das klappt auch ganz gut, nur ist es mit dem Überholen der Mountainbiker nun vorbei. Reihenweise rasen die an mir vorbei, die ich am Berg zuvor überholt hatte.
Da es geregnet hat, sind die Trails auch entsprechend aufgewühlt und aufgeweicht. Ich komme leider auch nicht so wie gewünscht die Hänge runter und muss immer mal wieder absteigen. Mist, letztes Jahr bin ich ohne Bremse kontrollierter den Trail gefahren.  Ich überquere zwei Gletscherbäche die trocken sind, ohne abzusteigen und kommen dem Ziel immer näher.

2Thomas_Salzkammergut (1) (Kopie) km vor dem Ziel geht es noch einmal durch eine Unterführung durch, die total aufgewühlt ist und die ich dann doch lieber schiebe. Es sind genügend Mountainbiker mit auf der Strecke und vor denen möchte ich dann auch nicht beim Aufsteigen rumturnen.
Die 1500 Meter zum Ziel ziehen sich dann doch ganz schön hin und ich bin froh in den Ortskern einzubiegen. Schnell noch die Kinder am Straßenrand abklatschen und dann sind das Ziel und meine Frau da. Die Zeit bleibt bei 2:05 Stunden stehen, d. h. ich bin zwanzig Minuten schneller zum Vorjahr gefahren!!! Platz 34 von 48 gestarteten Muni’s. Letztes Jahr war ich noch Vorletzter gewesen. Also hat sich das Training echt gelohnt!
Sieger wurde Stefan Rabensteiner vom AC Villanders mit 1:15h, er verbesserte damit den Streckenrekord vom letzten Jahr um 6 Minuten. Es war wieder eine sehr gut organisierte Veranstaltung die auch aufgrund der Teilnehmerzahl richtig Spaß gemacht hat.

Danke noch einmal an Little John Bikes für die Unterstützung und an meine beiden Trainingspartner für die „Geduld“ im Training.

Video-Trailer der Salzkammergut Trophy

Video der Strecke vom Vorjahr

Bild- und Textquelle: ©Thomas Schmidt