Unser Teamfahrer Thomas war beim Mountainbike-Festival Roc´d Azur am Start und berichtet wieder exklusiv für Little John Bikes. Der perfekte Lesestoff für trüber, nasskaltes Herbstwetter.



mtb_roc_dazur-6Seit Jahren fahre ich mit meiner Familie an die Cote d’Azur um den Sommerurlaub dort zu verbringen. 2010 wurde ich auf einen Artikel in der „bike“ aufmerksam, dass dort unten in Frejus (Fre-dschüs gesprochen) das größte Mountainbike Festival Europas – das Roc´d Azur – stattfindet.

Bisher hat es aber nie gepasst mit dem Ferienkalender, dort einmal teilzunehmen. Dieses Jahr klappte es mit den Ferien und ich hatte mich schon im August für zwei Rennen angemeldet. Zum Glück auch, da die kompletten Rennen schon zwei Wochen vorher ausverkauft waren, Nachmeldungen waren am Ort nicht mehr möglich. Zum Leidwesen auch meiner mitgereisten Radfreunden, die gern die kurze Strecke Isostar Masters Roc über 42 km und 750 Höhenmeter mitgefahren wären.

Über die gesamten 4 Tage gibt es echt viele Rennen, ob Downhill, Triathlon, Stadtrennen in Frejus oder für die Kinder, also nicht umsonst das größte Festival Europas. Für mich ging es am Donnerstag mit der zweiten Startwelle an den Start. Nach Startnummern sortiert ging es an den Startstrich, der Moderator heizte noch einmal richtig ein und pünktlich neun Uhr tönte die Startsirene. Der Start machte deutlich, dass hier einige schon aus der zweiten Reihe auf’s Podest fahren wollen, vor allem die, die ihre eigene Gewichtsklassenwertung hatten…

mtb_roc_dazur-3Es hat seit Wochen nicht geregnet und so brauche ich mir keine Gedanken machen, dass das Rad oder der Fahrer sehr dreckig werden würden, im Gegenteil, ich hatte Angst an Staublunge einzugehen, und da sind wir nur über den Rasen vom Flugfeld gefahren. Es geht in Richtung Les Issambres, aber nicht auf der Straße sondern auf Nebenwegen, die nur während des Festivals nutzbar sind. Es müssen nämlich 2 Flüsse überquert werden. Dafür wurden extra Pontons ausgelegt, über die es jetzt geht. Irre. Über einen Zeltplatz weiter in Richtung Roquebrune geht es dann ab in das Massif des Maures-Gebirge. Ohne Vorwarnung geht es nach einer Linkskurve in den Berg hinein.

Jeder schaltet nun, was der Kranz hergibt um nicht absteigen zu müssen. Der Untergrund ist felsig und der Weg recht breit, so dass für alle genügend Platz ist um die 17% Steigung zu nehmen. Kurze Aufmunterung von meinen Freunden und dann geht es auch schon wieder runter. Aber richtig runter, über ausgewaschene, felsige Wege, die sicher gut fahrbar wären, wenn nicht alles zugestellt wäre von den Bikern vor mir.

Immer wieder versuche ich aufzusteigen und zu fahren, muss aber dann doch einsehen, dass das zu gefährlich ist, da nun überall auf dem Weg jemand steht oder liegt und es nur mit Schieben weiter geht. Irgendwann ist dann doch Platz und ich kann den Rest von dem Berg fahren. Über flowige Singletrails geht es unter einer Straße durch, über Wurzeln und Steine. Eine Gruppe vor mir biegt unvermittelt nach links ab, nach 12km ist die erste Verpflegungsstelle. Die haben Humor, ich habe eine kleine Flasche für die kurze Strecke mit und die machen erst einmal Frühstück, na dann: Bon Appetit!

Es geht nun wieder moderat den Berg hinauf, ich habe eine kleine Gruppe gefunden, der ich mich anschließen kann und so schrauben wir uns wieder mit 12-18% den kleinen Berg hoch, hinten runter wieder über ausgewaschene Wege hinunter, bis ich an einen Stau komme. Hier geht wirklich nichts mehr mit fahren, der Anstieg ist zu felsig und zu eng, also Rad schultern und hoch tragen. Oben angekommen, wird es wieder eine echt technische Abfahrt, zum Glück habe ich niemanden vor mir, die Spreu hat sich vom Weizen nach der zweiten Abfahrt getrennt und so kann ich das Rad den Berg runterfahren lassen, werde aber auch da noch mit fast doppelter Geschwindigkeit überholt…

mtb_roc_dazur-5Wenn man unten ist, geht es auch gleich wieder hoch, in dem Fall den Col de Bougnon. Das Gebirge ist nicht sehr hoch, aber wie jedes Mittelgebirge hat es kurze, knackige Anstiege mit eben solchen Abfahrten, die ordentlich den Saft aus den Beinen ziehen. Der Berg hat den Vorteil, dass hier die Familienmitglieder mit dem Auto heranfahren können und dann ordentlich Stimmung machen können, so wie in diesem Fall. Jeder wird beklatscht und angefeuert, herrlich. Oben angekommen, wird man mit einem herrlichen Blick über die Bucht und das Meer belohnt, der Wind hat ganz schön zugelegt und ich muss mächtig auf dem Plateau treten, um meine Geschwindigkeit zu halten. Wieder eine Abfahrt, Geröll, tiefe Rinnen, Felsbrocken auf dem Weg, irre, es macht so einen Spaß. Am Ende der Abfahrt ist schon die Waldautobahn zu sehen, also gleich unten, da gibt es einen Schlag auf das Vorderrad, die linke Hand ist nicht fest am Lenker und ehe ich irgendwas machen kann, mache ich einen Salto und komme recht hart auf der linken Seite zum Liegen…

Pfffff…. Tiiiiieeef atmen….. noch einmal tiiiieeeeef Durchatmen und langsam aufstehen. Das war echt ein Aufsetzer im Gebirge, Halleluja. Rad ist ganz (wichtig), Körper geht auch, so etwas…  Noch einmal kurz am Rad festhalten, Lenker und Krone richten, Schluck aus der Flasche nehmen und weiter, etwas langsamer zwar den restlichen Weg, aber nach zwei Kilometern ist das Ganze erst einmal vergessen.

Es geht ja wieder berghoch, das letzte Mal und hier haben schon einige mit Krämpfen zu kämpfen. Die letzte Abfahrt klappt ohne Probleme und nun geht es nur noch gerade ins Ziel. Vor mir sehe ich drei Biker, die links in einen Tunnel abbiegen wollen und dabei absteigen…

Was ist das denn für eine Übung, denke ich so, wozu absteigen, wegen einem Tunnel. Wie ich an den Tunnel ran bin, sehe ich das Problem. Ich muss hier auf Plastikpontons steigen um den Tunnel passieren zu können. Das ist ja unglaublich, was die Organisatoren sich haben einfallen lassen. Ich habe kurz überlegt, mit dem Rad über die Pontons zu fahren, aber diese sind nicht sehr breit und in die Brühe möchte ich dann doch nicht fallen. Also schnell abgestiegen und die 60m geschoben. In dem Ort Les Issambres warten aber noch ein paar weitere Schikanen. Es geht nun rechts unter der Brücke entlang, über den Strand, bis zu einer Gaststätte, dort die Treppen hoch, auf den Fußweg und dann kurz in den Ort, um dann auf den Klippen am Meer zurück zum Strand zu kommen. Irre!!!

mtb_roc_dazur-4Das Meer ist rau, die Wellen schlagen auf den Strand und wir müssen nun auf dem Rückweg durch das Meerwasser am Strand entlang fahren. Diese Seite geht, da der Strand etwas fester ist, das Stück am Anfang war nur mit Schieben zu bewältigen. Unter der Brücke durch geht es wieder auf die Pontons. Der erste Ponton geht über das Flüsschen L’Argens, welcher direkt in das Meer mündet. Durch den Seegang der im Meer herrscht, bekommen wir auf dem Ponton auch etwas ab, dieser schaukelt sich unglaublich auf und jeder der Biker hat seinen Spaß oder nicht Spaß mit der Schaukelei. Es ist ein mächtiges Geeiere bei der Überquerung.

Auf der anderen Uferseite werden wir auf den Radweg geleitet. Dort liegt nun mächtig der Gegenwind an und ich habe echt keinen Bock darauf, hier den Windschatten für andere zu spenden. Zum Glück kommt ein Biker einer anderen Runde ziemlich zügig vorbei und ich kann mich in seinem Windschatten hängen. Wir ziehen mit fast 40km/h dann schön auf dem Weg in Richtung Ziel.

Aber es kommt noch einmal ein kleiner Fluß, der über Pontons gequert wird. Die Biker vor mir bremsen stark ab, ich kann nicht mehr bremsen und verliere das Gleichgewicht. Dabei schabe ich schön auf dem Hinterrad vom Vordermann und versuche wieder das Rad zu beherrschen, aber es klappt nicht. Der Vordermann ist irgendwann weg und ich falle aus voller Fahrt in den Dreck der vor dem Ponton liegt und bremse den Flug schön mit dem rechten Oberschenkel ab….

mtb_roc_dazur-1Selbe Atemübung wie schon 15km vorher, Tacho und Brille aufgelesen, Krone gerichtet und mich wieder eingereiht, in die Platzierung, die ich beim Einbiegen auf den Radweg hatte, also 20 Plätze wieder abgegeben. Und das Ganze 3km vor dem Ziel.

Die Motivation ist nun hinüber und ich trudel langsam in den Zielbereich ein. Die Zeit bleibt bei 2:39h stehen, das ist Gesamtplatz 406 von 969 Starten und in der AK 178 von 378 angekommenen Bikern. Am Ende hat das Material wieder ordentlich gehalten, keinen Platten und auch keinen Kettenriss gehabt.