Jedes Jahr findet am ersten Augustwochenende der Erzgebirgs-Marathon im Kurort Seiffen statt. Der EBM ist der älteste Mountainbike Marathon Deutschlands und lockt jährlich tausende Mountainbiker ins Erzgebirge. Und natürlich war auch unser Teamfahrer Thomas Schmidt am Start und berichtet für uns von seiner neunten Teilnahme…

EBM_Seiffen_2016_1„Zum 24. Mal und für mich zum 9. Mal fand am 06.08. der Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen statt. Ein Rennen, das vor allem für die Zuschauer optimal ist, da es viele Möglichkeiten gibt, die Mountainbiker auf der Strecke zu sehen. Es gibt drei Streckenlängen, die über 40, 70 und 100 km geführt werden, die beiden großen Strecken werden dann als Runden gefahren.
Da ich am Tag zuvor schon mit dem Einrad unterwegs war, sollten mir die 40km reichen. Pünktlich um 9 Uhr fiel der Startschuss für die fast 1500 Teilnehmer auf den einzelnen Strecken. Da es keine Transponder wie bei anderen Rennen gibt, gibt es hier auch keine Nettozeit für die einzelnen Startblocks, also haben die, die hinten starten die gleiche Startzeit wie die vorn. Damit das Gedränge am Start nicht zu groß ist, wird das Feld geschlossen den Alp de Wettin hinunter in den Ort geführt, dort fällt dann der Startschuss. Es ist ein mächtiges Gedränge auf der engen Straße, die eigentlich nur Wettinhöhe heißt. Es gibt auch schon die ersten Stürze, wie die zu Stande kommen erklärt sich mir nicht so recht, da müssen diejenigen ja schon im Schlafmodus gewesen sein. Nach dem das Rennen freigegeben wurde, geht es gleich die Deutschneudorfer Straße hinauf, ein Berg von ca. 2km Länge mit einer Steigung von durchschnittlich von 7%. Ich habe schon an dem leichten Anstieg im Ort gemerkt, dass ich überhaupt keine Kraft in den Beinen habe, aber an dem Berg, wo jeder schon versucht auf Platzierung zu fahren, zieht es mir schon nach fast 2km Fahrt den Zahn und ich bin schon echt am überlegen, ob ich oben nicht aus dem Rennen aussteige. Biker um Biker ziehen an mir vorbei und ich kann nichts machen, die Oberschenkel fühlen sich total leer an, es ist zermürbend. Dass das Einradrennen vom Vortag so eine Auswirkung hat, hätte ich nicht gedacht. Dabei wollte ich abends noch mit dem Einrad den Bergsprint fahren…

EBM_Seiffen_2016_2Nur gut, dass ich das ausfallen lassen habe, da hätte ich wirklich hier auf dem höchsten Punkt mein Finale gehabt. Endlich oben geht es nun über Oberseiffenbach fast 4km nur bergab. Also Kette rechts und retten, was zu retten ist. Laut Strava fahre ich hier bergab meinen persönlichen Rekord. Die Biker machen es mir aber auch leicht, da keiner so richtig das Rad rollen lässt. Unten angekommen geht es wieder durch Seiffen auf die Wettiner Höhe. Die Straße dort
hoch hat im Mittel 20% Steigung und wird deshalb auch von den Organisatoren „Alp de Wettin“ genannt. Jede Menge Publikum steht schon Spalier und feuert die Sportler mächtig an. Mein Nachbar vom Zeltplatz zieht an mir vorbei und meinte recht süffisant, dass ich ja bergab recht schnell sei und fährt weiter. Vielen Dank auch!

Am Hotel Wettiner Höhe geht es dann richtig los mit dem Mountainbike-Gefühl – es geht in den Wald hinein. Eine kleine Anhöhe wird schon für einige zur Prüfung. Die Steine sind nass und viele fallen durch die durchdrehenden Reifen vom Rad, zum Glück immer in die richtige Richtung, sodass ich nicht behindert werde. Die Beine machen erstaunlicherweise nun mit und ich kann richtig Gas geben. Vielleicht hätte ich mich doch warm fahren sollen, wie die großen Jungs 20min. vorher auf der Rolle. Es geht nun wieder bergab über Wurzeln, Waldwege und ich kann das Rad richtig laufen lassen. Die, die ich überhole rufe ich natürlich von hinten an, damit die wissen, dass ein geplanter Spurwechsel für uns beide nicht die richtige Aktion wäre. Einen kurzen Stich geht es links hinauf, zum Glück kenne ich die Strecke etwas und kann rechtzeitig den kleinsten Gang dafür wählen und muss nicht absteigen, oder erst am Berg schalten. Nach 17 km ist der tiefste Punkt erreicht und wir schrauben uns langsam wieder die Berge hoch. Da es Waldwege sind, kann ich auch mal etwas länger aus meiner Flasche trinken. Bei Einstecken in den Flaschenhalter bin ich unkonzentriert und verliere die Flasche. Das darf doch jetzt nicht wahr sein, das ist ja noch nie passiert. Ich habe schon meine Flaschen zu Hause vergessen einzupacken und konnte zum Glück auf der Expo eine nachkaufen, und die verliere ich auch noch. Also Vollbremsung (keiner hinter mir), zurück gelaufen und die Flasche gesichert. Und schwupp war ich 10 Plätze weiter hinten. Tolle Kiste!

EBM_Seiffen_2016Schnell versucht, an die Gruppe wieder heran zukommen, alles gut. Hinter einem Baum steht dann einer und streift sich seine Armlinge ab… Der hat Nerven, für die Aktion abzusteigen. Oben auf dem Berg angekommen, steht wieder viel Publikum und beklatscht jeden oder lässt einem Bekannten einen blöden Spruch zukommen. Es ist eine echt entspannte Atmosphäre, liegt vielleicht auch daran, dass hier hinten nicht mehr um den Podestplatz gekämpft wird.
Es geht mal wieder bergab und ich komme auf den Höhepunkt der Strecke zu: die Wurzelpassage. Ein steiles Waldstück, welches mit Wurzeln und Steinen gespickt ist und die Herausforderung darin besteht, dort hinunter zufahren. Seit ein paar Jahren gibt es die Möglichkeit zwei Strecken zu nutzen, das wird rechtzeitig durch Schilder angezeigt: links weg: schieben, geradeaus: fahren.

Viel ist nicht los auf der Fahrstrecke, aber ich kneife trotzdem hinunter zu fahren. Keine Ahnung warum, aber leider gibt es nun kein zurück. Unten angekommen ist die erste und für mich einzige Verpflegungsstation, die ich aber auslasse. Im Vorbeifahren höre ich nur einen laut in die Runde fragen, ob jemand ein Brillenputztuch für seine Radbrille dabei hätte… Ich fall‘ fast vom Rad, kann aber auch nicht sagen, ob er eine passende Antwort bekommen hat. Auf Asphalt geht es nun wieder auf der anderen Seite von Seiffen den Berg hinauf und da kommt von hinten mein bester Freund auch schon angeschossen. Er ist im letzten Startblock gestartet und hat mich nun nach 25 km schon eingeholt. Kurzes Wortgefecht und dann ist er auch schon weiter. Es geht wieder einen Waldweg hinunter und ich versuche an meinen Kumpel ranzufahren. Dabei unterschätze ich leider den Kurvenradius einer Linkskurve und komme arg in Schwierigkeiten, da der Holzstapel, der dort liegt, immer näher kommt. Zum Glück kann ich das Rad noch genügend weit runter drücken ohne wegzurutschen. Puuh, das war knapp. Von weitem ist der Zielsprecher zu hören, es sind nur noch 8km lt. Tacho und es gibt nun die Möglichkeit, rechts durch den Wald abzukürzen oder den „Chickenway“ zu fahren. Da ich den Weg noch nicht gefahren bin, biege ich rechts in den Wald ein und stehe dann auch gleich vor zwei Bikern, die sich zu viel zugetraut haben. Die gehen auch schnell beiseite, sodass ich keinen Schwung verliere und die Absätze, die hier mit Steinen und Wurzeln versehen sind, kontrolliert runterfahren kann. Es geht nun nur noch bergab bis zur Dorfstraße. Auf dem Weg dorthin stehen nun schon auch die ersten Sportler mit Krämpfen. Da ich auf einen Pulk Fahrer auffahre, wechsle ich die Spur – mit dem Ergebnis, dass es hinter mir einen lauten Schrei gibt und mächtig im Gebüsch raschelt…

EBM_Seiffen_2016_3Kurz gebremst und geschaut was los ist. Der Klassiker natürlich, es war einer hinter mir und wollte überholen, hatte aber nichts gesagt. Er kommt aber wieder aufs Rad und wir können uns kurz unterhalten – hat seinen Fehler aber auch eingesehen. Auf dem Weg zum letzten Berg kann ich mich noch schnell einer Gruppe anschließen, die mich im Windschatten „entspannt“ zum Berg bringen. So, ein letztes Mal die Rampe hoch – kleinster Gang aufgelegt und dann durch die jubelnden Zuschauer durch. Echt irre was das für eine Motivation ist. Da wird auch etwas das linke Auge feucht…

Auf dem Berg ist dann auch eine Bühne aufgebaut und der Moderator macht mächtig Stimmung. Auf dem Weg zum Ziel kann ich noch ein paar Plätze gut machen und komme dann mit einer Zeit von 2:27h ins Ziel. Das ist der Platz 41 von 136 in der Altersklasse Senioren 2. Es war wieder ein schönes Rennen, das Material hat wieder sehr gut gehalten, keine Panne, keine gerissene Kette oder Speiche. Es standen auf dem Weg so viele mit Pannen am Rand, einer sogar gleich nach dem Start. Also alles prima gelaufen und Wetter war auch Top!

PS: Der Zeltplatznachbar kam 30 min nach mir ins Ziel.

Vielen Dank an Little John Bikes für die Unterstützung.“