Die BIKE Transalp ist das härteste Mountainbike-Etappenrennen für Jedermann über die Alpen. In sieben Etappen ging es für 600 Zweierteams über herausfordernde MTB-Trails, steile Anstiege und Abfahrten entlang an traumhaften Kulissen und Panoramen – wie man sie nur in den europäischen Alpen hat.

Vom 17. – 23. Juli 2016 starteten wieder mehr als 1.200  Mountainbiker in Zweierteams auf insgesamt 519,03 Kilometer und 17.736 Höhenmeter über die Alpen. Die BIKE Transalp ist das Mountainbike-Highlight und zählt zum „Must-Have“ der internationalen Mountainbike Szene. Biker aus mehr als 40 Ländern nehmen jedes Jahr teil. (Textquelle: www.bike-transalp.de)
Unser Teamfahrer Alex war mit seinem Teampartner Lennard dabei und berichtet ausführlich über die  einwöchige (Tor)Tour…


Ich denke jeder der, eine oder mehrere Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike gemacht hat, erinnert sich ganz besonders an die erste – man erinnert sich meist am besten an die erste Male. Meine erste Transalp mit dem Mountainbike bestritt ich bereits 2011 mit meinen Kumpels Andi und Sevi – damals aber gemütlich und ohne Veranstaltung. 2016 kam aber ein neues erstes Mal Transalp – nämlich DIE Bike Transalp – das längste, härteste und am stärksten besuchte Etappenrennen in den Alpen!

Bike_Transalp_1Mein Kumpel Lennard Heidenreich fragte mich bereits recht früh in der Saison, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm im Team „Velomotion“ die Bike Transalp zu bestreiten. Mir war damals sehr schnell klar, dass das ein Angebot ist, dass man nur sehr selten bekommt und so habe ich natürlich JA gesagt. Dass Lennard sich damals für mich als Teampartner entschieden hat, rechne ich ihm hoch an und dafür bin ich ihm sehr dankbar, denn uns war beiden von vornherein klar, dass er einen stärkeren Partner haben könnte. Wir konnten sehr früh die ganze Tour-Planung machen, wobei wir uns gezielt gegen das offizielle Hotelpaket entschieden, da wir mit eigenem Suchen und Buchen der Hotels viel preiswerter kamen.

Es wurde erstaunlich schnell Juli und mein erstes Etappen-Rennen im Zillertal verlief ziemlich gut, wodurch ich mich auch gut vorbereitet auf die Transalp fühlte. Genau eine Woche vor dem Start des Rennens kam er aber noch, der obligatorische Sturz im Jahr. Mit relativ hoher Geschwindigkeit rutschte mir das Vorderrad weg und ich holte mir zahlreiche Schürfwunden und eine Prellung der Hand. Dies hielt mich nicht davon ab, zwei Tage später wieder auf dem Rad zu sitzen und mich auf die Transalp vorzubereiten.

Am Freitag drauf ging es dann auch schon los in Richtung Alpen. Das Auto war vollgepackt mit allen erdenklichen Ersatzteilen, Essen, Trinken, Kleidung – ich hatte sogar mein Fully als Ersatzrad dabei; man weis ja nie 🙂 Am Samstag trafen wir uns dann alle in Imst, um die Startnummer zu holen. Wir das sind: Lennard, seine Freundin Hannah, Hannahs Teamkollege Mike, unsere Betreuer Natalie und Ferdi und meine Wenigkeit. Wir bekamen die Startnummer 146, also mussten wir uns am ersten Tag aus dem zweiten Startblock erstmal nach vorne arbeiten, was mit Lennards Oberschenkeln kein Problem darstellen sollte. Nachdem wir gemeinsam Mittag gegessen hatten. fuhren wir unser „Hotel“ – leider eine abgewohnte, einfache Pension mit einem kontrollsüchtigen Hausherrn, der mir doch tatsächlich mein MTB aus dem Zimmer nahm, als ich es kurz während des Einkaufs ins Zimmer stellte – eine echte Frechheit! Die Nacht war recht kurz, da der Abend mit kochen bei Lennard, Flaschen auffüllen und Bike herrichten länger wurde als geplant.

Etappe 1:            Imst – Nauders (89 km / 2.960 Hm)
Bike_Transalp_3Am Sonntag standen wir früh auf. Ab diesem Tag begann die Routine die ich im Folgenden nicht mehr zu jedem Tag erläutern werde. Nach dem Aufstehen zog ich gleich meine Radkleidung an, machte den Koffer zu, den wir auf dem Weg zum Frühstück gleich ins Auto brachten und gingen Frühstücken. Um die Uhrzeit und mit der Spannung vor dem Rennen bekam ich renntypisch wenig runter. Dann fuhren wir zum Start. Wir stellten uns möglichst früh in den Startblock, um weit vorne zu stehen. Und siehe da – im Startblock traf man sogar einige bekannte Gesichter, wobei ich mich über Daniel Helbig besonders freute. Mit kleiner Zeitversetzung zum ersten Startblock ging es dann los. Wir schlossen schnell zu den vorne fahrenden auf und ein riesen Pulk an Mountainbikern rollte aus Imst raus. Am ersten Berg war aber auch schon Schluss mit lustig. Wie vermutet war Lennard deutlich stärker als ich, wodurch er mich regelmäßig schob und wir so zu der vor uns fahrenden Gruppen aufschlossen. Eine echte Herausforderung waren die langen schnellen Abfahrten, an die man sich erstmal wieder gewöhnen musste! Trotzdem ist der Ausblick in den Berg grandios – sofern man mal den Gedanken dafür hat seinen Kopf zu heben. Einmal verhakte ich mich noch an einem Zaun – sonst verlief der Tag aber ohne Zwischenfälle – also eigentlich wie die ganze Transalp. Gegen Ende des ersten Tages kamen aber Krämpfe, wie ich sie zuvor noch nie hatte. Mit viel trinken konnte ich es aber in Schach halten und wir kamen als 28. am ersten Tag in Nauders ins Ziel. Ein Ergebnis mit dem ich nicht gerechnet hatte!

Nach dem Rennen gab es, wie auch in allen folgenden Tagen, Obst, Kuchen und Leckereien im Zielbereich, wo wir uns erstmal stärkten. Danach suchten wir die Hotels, die wir die nächsten zwei Tage hatten, da wir nicht in der Schweiz schlafen wollten. Abends gab es die obligatorische Pastaparty, aber nicht in einem Festzelt oder so, sondern auf einer Alm, zu der wir mit der Seilbahn hoch fuhren. Eine sehr schöne Location dafür! Danach freute ich mich einfach nur noch auf mein Bett. Zum Glück stand am nächsten Tag eine kürzere Etappe auf dem Programm.

Etappe 2:            Nauders – Scuol (56 km / 2.126 Hm)
Der Morgen begann denkbar schlecht – nach einem Bissen in mein Frühstücksbrötchen musste ich mich erstmal übergeben. Mit nur einer Banane im Magen ging ich an den Start und wir rechneten mit dem schlimmsten für diesen Tag. Doch es kam alles anders – der Startschuss fiel und als ob jemand einen Schalter umgelegt hatte, fühlte ich mich blendend und hatte richtig Druck auf dem Pedal. Lennard musste so gut wie nicht schieben und wir waren richtig schnell. Heute genoss ich auch hier und da den Ausblick der über den Reschensee bis zum Ortler – einfach atemberaubend. Nach einer rasanten Abfahrt in die Schweiz ging es durch das Inntal bis nach Scuol, wo wir als 21. das Ziel erreichten – toll. Der Tag war einfach perfekt – Material, Verpflegung, Leistung – so müsste jeder Tag laufen. Abends kochten wir noch etwas und dann gingen wir zeitig ins Bett. Plötzlich merkte ich ziemliche Kopfschmerzen – meine Migräne hat mich wieder eingeholt und das auch noch zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt – während der Transalp.

Etappe 3:            Scuol – Livigno (72 km / 2.598 Hm)
Bike_Transalp_4Am nächsten Morgen starteten wir wieder pünktlich um 9 Uhr in Scuol zur nächsten Etappe nach Livigno, ein Ort auf den ich mich schon sehr freute! Dort möchte ich unbedingt mal ein Trainingslager absolvieren. Der Tag war für mich aber einfach nur die Hölle. Ich fuhr vier Stunden mit Migräne voll am Limit und ich spielte teilweise echt mit dem Gedanken aufzugeben. Aber Lennard motivierte mich immer wieder aufs Neue und schob an den besonders steilen Stücken sogar mein Rad. Bei jeder Bodenwelle – von denen es bekanntlich relativ viele gibt beim Mountainbiken – fühlte es sich so an, als ob mein Kopf explodiert. Gegen Ende des Tages wurden die Schmerzen etwas weniger, was an unserer Platzierung aber nicht mehr viel änderte. Ich war heilfroh endlich im Ziel angekommen zu sein und am Nachmittag schlief ich nach eine kühlen Dusche in unserem schönen Hotel erstmal eine Runde. Am Abend waren die Kopfschmerzen auch wieder weg!

Etappe 4:            Livigno – Bormio (74 Km / 2.573 Hm)
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Der nächste Tag war geprägt von einer 7km langen neutralisationsphase – sehr nervig, vor allem da sich ein Ziehharmonika-Effekt einstellte. Da wurden die Bremsen schon vor dem eigentlichen Rennbeginn richtig warm. Als es dann eng wurde – Stau. Ziemlich genervt sprang ich vom Rad, um ein paar der Fahrer zu überholen. Als sich das Fahrerfeld langsam lichtete konnte ich mich mit richtig Druck durch die Massen schlängeln bis ich auf Höhe der Baumgrenze plötzlich nur noch zwei Fahrer vor mir hatte und dann eine große Lücke zur nächsten Gruppe. Lennard schloss nach seinem Kampf durch die Massen schnell zu mir auf und wir fuhren ab da wieder gemeinsam über die endlosen Singletrails durch die Täler Südtirols. Bei einer kleiner Bachüberfahrt blieb ich mit meinem Vorderrad im Matsch stecken und ich ging mal eben kurz über den Lenker – schnell aufgestanden, kein Defekt, weiter ging es. Nach einer schnellen Abfahrt wartet ein Anstieg mit gut 1500 Höhenmetern auf uns. Wir starteten kontrolliert und fühlten uns gut. Nach und nach überholten wir viele Fahrer. Leider fühlte ich mich bergab sehr unsicher, wodurch wir wahrscheinlich alle gutgemachten Plätze wieder verloren, dafür kamen wir sicher und Defektfrei in Bormio an. Das Hotel war zwar zentral gelegen aber Preis-Leistungsmäßig unterste Kategorie! Nach einer dürftigen Pasta-Party gingen wir richtig Essen und mit einer guten Pizza im Bauch schlief es sich sogar halbwegs gut in dem viel zu heißen Hotel.

Etappe 5:            Bormio – Mezzana (86 Km / 3.073 Hm)

Der nächste Tag wartete wieder mit herrlich langen Anstiegen auf uns – es ist ja auch die Königsetappe. Dadurch waren wir an diesem Tag entsprechend lange unterwegs – fast 5 Stunden! Der Tag war geprägt von höllischen Knieschmerzen, die zum Ende hin leichter wurden, langen und sehr technischen Abfahrten und zum Ende ein langes Flachstück, bei dem wir wieder Zeit gut machen konnten. Alles in allem eine gelungene Etappe zu der es eigentlich nicht viel zu erzählen gibt! Im Ziel angekommen merkte ich jedoch, dass man ein paar Stellen bereits die Karkasse an meinem Vorderreifen sah – da habe ich nicht lange überlegt und hab mir bei den inzwischen guten Bekannten von Maxxis einen neuen Reifen aufziehen lassen. Dadurch konnte ich entspannt in den nächsten Tag starten.

Etappe 6:            Mezzana – Trento (88 Km / 2.364 Hm)
Dieser Tag war mal wieder durch eine Neutralisationsphase geprägt – dieses Mal aber ganze 12km lang. Es war genauso wie das letzte Mal in Livigno: Stop an go. Da zogen sich die 12km wie Kaugummi. Zum Glück war am Ende der Neutralisation eine breite Straße, wodurch es sich nicht mehr staute und wir gleich unser Tempo hochziehen konnten. Dank der Unterstützung von Team Pro Style verging der Tag echt gut, wobei man die Hitze des Südens schon deutlich merkte! Da war der 2,5km lange Tunnel eine tolle Abwechslung, denn dort war es nur 10° „warm“ und es stand regelmäßig Wasser im Tunnel. Das hielt uns aber nicht davon ab Vollgas zu geben. Das folgende, wellige Profil lag mir gut, wodurch wir wieder Zeit gut machen konnten, bis wir im Zentrum von Trento empfangen wurden. Die Bleibe für diese Nacht stellte sich als abenteuerlich heraus, denn wir waren plötzlich wie in das Privatleben der Hausherrin geworfen. Aber für eine Nacht reichte es!

Etappe 7:            Trento – Arco (54 km / 2.042Hm)
Bike_Transalp_2Der letzte Tag startete Wolkenverhangen. Auch in der Nacht regnete es regelmäßig. Ich war echt froh, dass alle Tage zuvor das Wetter derartig gut war, dass der Regen am letzten Tag eine willkommene Abwechslung darstellte! Nach der Neutralisation hieß es zwar wieder Stau und Schieben aber danach versuchte ich alles um nicht an meine Knieschmerzen zu denken. Irgendwie quälte ich mich den ersten Berg hoch. Schon 20min nach dem Start begann es zu regnen, welcher dann im Verlauf auch noch heftiger wurde. Am höchsten Punkt des Tages war es ordentlich nass, kalt und nebelig – nicht sehr angenehm. Trotzdem kämpften wir uns richtig gut durch das kühle Nass und konnten besonders zum Ende hin wieder richtig aufdrehen. Mit maximaler Geschwindigkeit ging es durch große Pfützen und es fühlte sich an, als ob man einen Eimer voll mit Wasser ins Gesicht bekommt. Am Hinterrad von anderen fühlte es sich so an, als ob man mit einem Gartenschlauch abgespritzt wird. Wieder eine spezielle Erfahrung.

All die schwierigen Erlebnisse an diesem und der Tage zuvor waren mit überqueren der Ziellinie in Arco vergessen und wir waren überglücklich, es geschafft zu haben! 519,03km und 17.736hm in 7 Tagen – genauer gesagt in 28h 3min und 19 sek.

Ein riesengroßer Dank geht an Velomotion, Little John Bikes und Sponser Sports Food, die uns das Alles ermöglicht haben!