Im folgenden schildert unser Teamfahrer Thomas Schmidt seine aufregenden Erlebnisse beim Bike-Festival Riva del Garda 2016. Viel Spaß beim mitfiebern!

Am 30.04.2016 war es wieder soweit. Das erste MTB-Rennen der Saison startete in Riva del Garda.

Wie immer gab es vier Runden zur Auswahl, die Ronda Extrema mit 90km und 3800 Höhenmetern (Hm), die Ronda Grande mit 73km und 2800Hm, die Ronda Piccola mit 44km und 1500Hm und die Ronda Facile mit 29km und 700Hm.

Ich habe mich für die „Grande“ angemeldet. Leider habe ich das gemacht, als ich noch gesund war. Anfang März erwischte ich eine Erkältung, die fast 3 Wochen trainieren unmöglich machte. Somit war ich etwas unsicher, ob ich überhaupt auf dieser Runde starten sollte.

Egal, gemeldet war ich und so war für mich 7:55 Uhr Start aus dem Starblock „C“ heraus, den ich durch die Angabe der eigengeschätzten Durchschnittsgeschwindigkeit zugewiesen bekommen habe. Gefühlt stehe ich schon in Limone (nächster Ort am Gardasee Richtung Süden), so weit hinten darf ich mich einreihen. Direkt hinter mir stehen schon die Rennpferde der „Facile“ auf ihren Rollen und fahren sich warm. Eine Geräuschkulisse wie eine Millionen Hornissen.

Pünktlich 7:55 Uhr fällt der Startschuss zur Ronda Grande.

Am Anfang geht es auf der abgesperrten Straße in Richtung Arco, wo es für die ganz Schnellen schon um Platzierungen geht.

Nach 5km haben wir Varignano erreicht, wo, wie schon im letzten Jahr, am ersten Berg für gefühlt 80% der Teilnehmer der Wandertag mit Rad beginnt…

Also versuche ich mich auf dem größten Ritzel langsam ohne abzusteigen durch die Wanderburschen zu bringen.

In Volta di No ist dann aber auch für mich Pause, da die Barriere vom letzten Mal wieder jeden Biker einzeln passieren lässt. Allgemeines Unverständnis über die Schikane, aber was will man machen.

Nach dem Passieren der Sperre geht es nun richtig los. Es ist Platz für jeden zum Überholen und so schrauben wir uns langsam Richtung Calino hoch. Auf dem ersten geraden Stück kommt mir schon der erste Biker entgegen, mit gebrochenem Lenker und einer „schicken“ Asphaltflechte im Gesicht. Hm…

Ein Blick nach unten ins Tal und auf die zurückgelegte Strecke ist schon atemberaubend, die Biker nehmen kein Ende, unglaublich wie viele am Start sind. Ein Biker scheint den Ausblick auch zu genießen, der steht direkt an der Leitplanke und schaut auch ins Tal, ach, nein, andere Situation: das Frühstück war wohl zu üppig…

Nach ca. 15km trennen sich nun die beiden Strecken, rechts geht die „Piccola“ weiter und links die „Grande“. Die ganze Zeit bergauf habe ich mit mir gehadert, ob ich nicht doch auf die kurze Strecke abbiegen sollte…

Am Ende bin ich doch links abgebogen und mit einem Mal war ich auf der Straße allein. Der Großteil der Biker hatte sich für die kleinere Runde entschieden und so kämpfte ich mich die letzten Höhenmeter nach oben.

Da es die letzten Tage am Gardasee nicht geregnet hatte, war die Strecke das erste Mal für mich trocken, so dass ich bergab nicht sonderlich Obacht geben musste. Lautes Rufen von hinten, die runter Schiebenden machten bereitwillig Platz und so ging es die Pra della Vespana über Steine, Wurzeln und Absätze hinunter. Ein total irres Gefühl dort hinunter zufahren ohne zu stürzen, alles voller Adrenalin, geil!

Im Val Lomasone angekommen ist auch die erste Verpflegungsstelle, die ich auslasse, da mein Frühstück auch noch nicht so richtig seinen Platz gefunden hat.

Ca. 1km geht es auf Asphalt zum nächsten Berg, und die nächsten acht Kilometer nur bergauf auf Waldwegen, mit manchmal über 20% Steigung. Ganz durch fahre ich den Berg nicht, zwei Mal muss auch ich absteigen und schieben.

Irgendein Volltrottel hat sich den Spaß gemacht und die Beschilderung für die „Extrema“-Runde verändert,  so dass die „Extrema“-Fahrer einen Berg hochfahren, den sie gar nicht müssen. Entsprechend angefressen kommen die uns wieder bergab entgegen…

Auf 1280 Höhenmetern angekommen geht es nun wieder einen schönen Singletrail runter, zum Glück trocken, da jede Menge Laub auf den Steinen und Wurzeln liegt. Einmal eine brenzlige Situation für mich, da ich einen falschen Weg genommen habe und nun vor einem Absatz stehe. Lange überlegen geht aber auch nicht, also Vorderrad hochgerissen und  zum Glück mit beiden Rädern gut aufgekommen.

Unten angekommen geht es in den letzten Berg mit 25% Steigung, der auch noch einmal so richtig den Saft aus den Beinen zieht. Meine Trinkflaschen sind leer und ich hoffe, dass die nächste Verpflegungsstelle nicht mehr weit weg ist. Die Biker der „Extrema“-Runde kommen wieder auf unsere Strecke und nach ca. 2km rieche ich dann auch die Verpflegungsstelle.

So wie letztes Mal auch hat die Feuerwehr das Müllproblem sofort im trockenem Wald gelöst…

Egal, Pause. Obst, Kuchen, Cola, und noch einmal von vorn das Ganze. Langsam merke ich meine Beine und leichte Krämpfe im Oberschenkel.

Das Aufsteigen fällt schwer und mir ist durch das Stehen kalt geworden, die Lust schwindet etwas, aber es sind ja nur noch 30km…

Den Monte Brento passiere ich nun, die höchste Erhebung der Strecke mit 1480 Höhenmetern und es geht auf dem Pass mit einem Singletrail weiter, über eine Almwiese und einer Abfahrt, die ich letztes Jahr schon aus Sicherheitsgründen ausgelassen habe. Ein Biker versucht sich, aber bleibt dann am Baum hängen und schiebt das letzte Stück bergab.

Die letzten Kilometer haben es dann noch einmal in sich, mit kurzen, knackigen Anstiegen zur letzten Verpflegungsstelle und Zeitnahme. Ein extremer Anstieg mit 20% an der Pizzeria in San Giovanni al Monte zieht mir den letzten Saft aus den Beinen und ich schiebe an den Gästen vorbei den Berg hoch.

Hm, eigentlich peinlich…

Ab jetzt nur noch bergab!!! Ein Posten sagt mir im harten italienischen Deutsch, dass die Straße frei ist. Also Kette rechts und  runter. Vorsichtshalber schneide ich die Linkskurven nicht und das ist gut so, denn nach der zweiten Kurve stehe ich vor einen Transporter…

Mit über 70 km/h geht es die Straße runter, im unteren Teil geht es noch einmal links in einen Wanderweg mit Wurzeln und Geröll, da kasche ich mir noch 4 29“-Fahrer mit meinem 26“-Rad. Hammer, das gibt Auftrieb.

In Varignano angekommen geht es wieder die Staatsstraße lang und ich biege mit voller Geschwindigkeit um die Kurve: da wartet schon der Ora…

Na toll, vor mir weit und breit kein Biker zu sehen, der mir Windschatten spenden könnte, hinter mir auch nichts. Also beißen auf dem Asphalt. Eine Gruppe von 4 Bikern zieht vorbei, ich versuche dran zubleiben, aber die sind zu schnell. Bei der nächsten Truppe habe ich mehr Glück und kann mich bis ins Ziel dranhängen.

Die letzte Kurve zum Ziel, Freudentränen in den Augen, die Runde wieder geschafft zu haben.

Ohne Sturz und Panne bleibt die Zeit für mich bei  6:42h stehen, zwei Minuten schneller zum letztes Jahr, in der Altersklasse 186. von 225 angekommenen Startern, Gesamt 463.

Gewonnen hat die „Ronda Grande“der Österreicher Lukas Islitzer in einer Zeit von 3:27h. Glückwunsch!